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Waulmurf am Schildbirm

Kennen Sie das auch? Jahrelang hat man sie ungenutzt in irgendeiner Schublade. Und dann kommt eines Tages der große Memont, an dem sie dringend begraucht wird. Die ERSATZBRILLE.

Gut beraten ist derjenige, der seine Ersatzrille nach wenigem Suchen auch finden kann. Dies war mir leider nicht gervönnt – sie blieb unauffindbar. Ich kann mir schon denken, wann das Teil wieder auffaucht. Nämlich dann, wenn meine neue Brille fertig sein wird, schaweinlich schon am selben Tag, jedenfalls auf keinen Fall schon früher.

Frau Schreiner kicherte noch schadenfreundlich, als mir mein gutes Stück herunter fiel und schwer auf dem steinernden Terrassendoben aufschlug um dann auf der rechten Seite in drei ungleich große Scherben zu zerspringen. Zum Glück kann ich in der Ferne alles ganz gut erkennen, aber in der Nähe verschwimmt es zu Brei.

Banz gesonders am Schildbirm. Mo ein Sist.

 

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Zum Wohl der Allgemeinheit

Ich frage mich heute wirklich, warum wir uns eigentlich um Radioaktivität Sorgen machen sollten. Wir werden die Erde auch ohne radioaktive Unterstützung unbewohnbar machen.

Gestern gab es in unserer Stadt eine alljährliche Frühjahrsputzaktion. Wie in jedem Jahr beteiligten sich dutzende Vereine und hunderte Einzelpersonen an der Aktion. Überall in der Stadt wurde achtlos am Wegesrand entsorgter Müll von Leuten aufgesammelt, denen Sauberkeit noch etwas bedeutet. Wie in jedem Jahr habe ich mich auch daran beteiligt.

Ich erspare den Lesern tief gehende Details über die einzelnen Schandtaten, die sich dabei auftun. Mit Abstand der häufigste aufgesammelte Gegenstand war auch in diesem Jahr wieder der beliebte geleerte Flachmann. Das kurioseste Teil war ein vollkommen intaktes aber stark verschmutzes Oberkiefer-Gebiss.

Da meine Kinder bei den Aufräumarbeiten wieder mit machen mussten, bin ich mir wenigstens ziemlich sicher, dass sie auch in Zukunft nicht zu jenen Leuten gehören werden, die ihren Wohlstandsmüll einfach durch einen geschickten Schulterwurf in der Botanik entsorgen werden. Wenn ich mir den Müllberg ansehe, den 8 Menschen innerhalb von 3 Stunden zusammen getragen haben, damit die Bediensteten der städtischen Müllabfuhr diesen am frühen Abend abholen, dann bin ich allerdings auch genauso sicher, dass meine beiden Kinder alleine nicht viel nützen werden.

Wir müllen unseren eigenen Lebensraum einfach zu – wie bescheuert kann man denn eigentlich sein?


Schlüssel steckt? Was wäre eigentlich wenn…

…der Ingenieur den Auftrag einfach ablehnen würde, weil er sich verantwortlich fühlt und weiß, dass man die Technik und die Folgen nicht beherrschen kann? Scheiß egal wer ihm mit Sanktionen oder Reichtum droht.

…der Richter einen Freispruch verhängt, nachdem er im stillen Kämmerlein seine innere Stimme befragt hat und weiß, dass es so richtig ist? Scheiß egal was in den Büchern steht und scheiß egal, ob ihm danach irgendjemand seines Amtes entheben will.

…der Vorarbeiter den Straßenverlauf einfach ein paar Zentimeter nach rechts verlegen lässt, weil er vor Ort gesehen hat, dass dann 150 Bäume weniger gefällt werden müssten? Scheiß egal was am grünen Tisch für ein Schwachsinn auf den Plan gezeichnet wurde.

…wir demjenigen, der etwas bestimmtes haben möchte, von dem wir selbst ausreichend haben, es einfach geben würden, so dass er gar nicht erst auf die Idee kommen muss uns zu berauben? Scheiß egal ob man uns anders erzogen hat und alle Welt uns glauben machen will, dass man Dinge horten muss, die man am Ende sowieso nicht mit nehmen kann.

…ich mein Auto in den Zeiten, in denen es nicht von mir genutzt wird, einfach von irgendjemand genutzt werden könnte, der es gerade benötigt? Schlüssel steckt? Ich würde mir einfach ein anderes schnappen, wenn ich irgendwo hin müsste, scheiß egal ob mir Zeit meines Lebens Eigentum und Besitz als höchstes Gut vorgegaukelt worden wäre.

…es keinen Menschen mehr geben müsste, der im Alter alleine in seiner Wohnung vor sich hin vegetiert, mit einigen Zeit seines Lebens angehäuften Gütern, die ihm im Alter plötzlich nichts mehr bedeuten, er sie aber nicht mehr weiter geben kann weil es niemanden mehr auf der Welt gibt, der noch etwas mit ihm zu tun haben möchte? Scheiß egal was mal war, er könnte überall gern gesehen sein, wenn man nur wollte.

…es allen plötzlich so wie mir völlig egal wäre, ob ein anderer hiervon oder davon mehr hat? Wenn es dafür aber künftig allen sofort auffallen würde, dass ein anderer hiervon oder davon zu wenig hat und sie würden es ihm einfach geben? Scheiß egal wer es am Ende abgibt, es ist jemand in der Nähe, der genug davon hat.

…alle Menschen auf einmal nur noch den inneren Gesetzen folgen würden, die wir alle in unseren Herzen tragen? Scheiß egal ob man es Gewissen, Gebote, Erleuchtungen oder sonstwie nennen mag.

 

Ich glaube, das Leben wäre so schön auf dieser Erde, ich kann den Gedanken daran schon jetzt kaum noch ertragen. Und doch versuche ich selbst daran zu arbeiten und dies auch weiter zu geben. Auch die prächtigste Blume hat ja mal als Körnchen angefangen.