Archiv der Kategorie: Möbelstücke

Ruths muffeliger Sekretär

Gelegentlich finde ich auf meinem Schreibtisch kleine Notizen, die ich selbst nicht dort abgelegt habe. Zumeist handelt es sich dabei um kleine gelbe Zettel mit selbstklebender Fläche auf der Rückseite, die mehr oder weniger leserlich – je nach zeitlicher Anspannung – kurze wichtige Informationen für mich enthalten und von Frau Schreiner dort wohlweislich unübersehbar platziert wurden. Mit den Jahren kann man auch schon am reinen Schriftbild zwischen wichtig und dringend unterscheiden. Hierbei gilt, je kürzer der Text, desto mehr Eile ist geboten. (Ich merke mir immer: „Je kürzer das Sssst, desto eher der Bumms“)

Auch heute fand ich so einen Zettel, der irgendwann im Laufe des Sonntags dort abgelegt worden sein muss, als ich mit den Kellerregalen haderte oder als ich die Gartenstühle zähmte. Ein Kleiner gelber Zettel also, darauf stand:

„Ruths Sekretär mach Ärger – schau dringend mal vorbei“

Ihr wisst, dass ich die Dringlichkeit des Auftrags auch so hätte erkennen können. Trotzdem hat sie noch einmal separat die Dringlichkeit erwähnt, was im Klartext „aller höchste Eisenbahn“ bedeutet. Und schon war es da, das Problem.

Wer ist Ruth?

Nicht dass wir uns jetzt falsch verstehen. Ich kenne Ruth natürlich. Ich muss sie kennen, sonst hätte Frau Schreiner nicht einfach nur „Ruth“ geschrieben. Klar also, aber wer war sie nochmal, diese Ruth? Wer jemals seine Liebste in einem Anfall von Verzweifelung eine Frage stellte, deren Antwort man eigentlich wie aus der Pistole geschossen aufsagen können müsste, der wird sich nicht fragen warum ich nicht einfach Frau Schreiner gefragt habe. (Frauen noch mal lesen, Männer haben es beim ersten Lesen verstanden)

Tante Ruth! Aber wieso braucht die ein Sekretär, die hat doch einen ganz überschauberen Haushalt – ach nee, Renate heißt sie ja. Sekretär, Sekretär… wen kennst Du überhaupt, der einen Sekretär hat und mit dem wir uns dutzen? Oder ist das der Nachname? Ich sprach langsam und deutlich vor mir selbst aus: „Ruth, Ruuth, Ruuuth, Ruuuuth“, aber es klingelte nichts und es wurde auch schon wieder Zeit für die erste Kaffeepause des Tages. Was habe ich überhaupt mit einem Sekretär zu tun, der Ärger macht? Soll ich dem mit meinem Stechbeitel eins auswischen, oder wie? Leider hat sie nichts näheres dazu auf den Zettel geschmiert.

Die Kundenkartei gehört zum Handwerk

Ich hätte ja auch gleich mal darauf kommen können in die Kundenkartei zu schauen. Eine gut geführte Kundenkarte ist das A und O des ordentlichen Handwerkers. Wie sie sich über einen Anruf zum Geburtstag freuen, das ist immer ein schönes Erlebnis. Und der nächste Auftrag kommt bestimmt auch bald. Ja, ich bin ein wenig stolz auf meine gut geführte Kartei, die ich schon seit mehr als 10 Jahren am Computer führe und in der ich diese vielen kleinen wichtigen Informationen akriebisch erfasse. Der Hund hat Kolliken, die Katze hat ein Aua an der Tatze. Aber so oft ich mir die Daten auch sortierte, weder im Vornamen und schon erst Recht nicht im Nachnahmen tauchte Ruth auf. Nicht der kleinste Hinweis, auch nicht nach dem zehnten Versuch. Mahlzeit – meine Güte, der halbe Tag ist schon um. Soviele Kunden, die einen eigenen Sekretär haben, kenne ich doch gar nicht.

Der erlösende Anruf

Natürlich habe ich ihr beim gemeinsamen Mittagessen die Frage wieder nicht gestellt. Dann hätte sie sich wieder gewundert, dass der Laden überhaupt noch läuft bei meinem Sieb von Gedächtnis. Sie hat natürlich auch gleich gemerkt, dass ich irgendwie angespannt gewesen bin. Ich glaube, dass sie mich gerade danach fragen wollte, als das Telefon plötzlich schellte.

„Ich denke Du wolltest mich zurück rufen?“
„Äh ja, hallo RUDI altes Haus. Ich war heute vormittag im Großmarkt und wollte gleich nach dem Essen durchklingeln.“

„Du musst dringend mal nach meinem Sekretär schauen. Wann hast Du Zeit? Ich will nicht drängeln, aber ich halte es nicht mehr aus. Ich schubse den gleich aus dem Fenster, wenn nichts passiert.“
„Rudi, ich bin in einer halben Stunde bei Dir!“ – Klick

„Hast Du meinen Zettel denn nicht gesehen?“
„Doch doch, aber der Rudi kann auch mal warten…“

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Das Kellerregal – Stiller Helfer mit grausamen Geheimnis

Heute musste ich es mal wieder am eigenen Leib erfahren. Das Kellerregal empfindet man als wahren Freund und Helfer. Schließlich hat man so dies und das, was man noch einmal gebrauchen könnte. Diese vermeintlich noch werthaften Dinge verschwinden ja meist erst einmal im Keller. Und wie soll man das vernünftig anstellen? Genau, da wird ein stabiles Kellerregal zum Freund und Helfer. So stellt sich die Situation zumindest dar, wenn man noch kein Kellerregal besitzt.

Ist ein solches aber am Wunschort ersteinmal installiert, dann kann es zum wahren Grauen werden. Wer in der glücklichen Lage ist und mehrere Kellerregale unterbringen kann, ja der kann auf einmal so vieles noch gebrauchen. Hat man erst ein Eigenheim und der Kellerräume daher reichlich zur Verfügung, dann ist es um einen geschehen. Und so kam was kommen musste: wegen Überfüllung geschlossen.

Heute haben für mich die Tage des Kellers begonnen. Nach nunmehr sechs Jahren der tief empfundenen Freundschaft zu den Kellerregalen, die ich einst selbst schreinerte, offenbarten diese Wüstlinge mit heute ihr grausames Geheimnis. Ich werde Tage brauchen um einigermaßen wieder auf einen Stand zu kommen, den ich für mich selbst akzeptieren kann. Für den Moment ist der Keller jedenfalls für andere Augen verschlossen. Das ist mir zu peinlich.

Und wofür die ganze Plackerei? Damit man wieder von Neuem mit der Horterei beginnen kann? Nee – nicht mit mir. Freundliche und hilfreiche Kellerregale zu verschenken!


Neuer Stuhlgang – Notiz für das Wochenende

Die Gartenstühle sehen wirklich klasse aus. Das rötliche braun des Eukalyptusholzes harmoniert prächtig mit dem zarten blaugrau der Terrassenfliesen und dem saftigen grün der zu Kräften kommenden Blumenwiese.

Was mich nervt ist allerdings allerdings ihre Gangart. Sie traben gemächlich vor sich hin, dabei bin ich ein Freund von schnellerem Stuhlgang. Daher werde ich ihnen am Wochende den Galopp schon beibringen. Hoffentlich klappen sie mir dabei nicht zusammen.

*Montags-Update, 14.03.11*

Ich möchte es mal so ausdrücken, wir brauchen wohl alle noch ein wenig Zeit. Den Gartenstühlen habe ich aufgetragen, sich einmal in Ruhe Gedanken über Ihr Verhalten zu machen. Ich meine, dass ist doch keine Art und Weise. Ansonsten klappen sie doch auch nicht einfach unter meinem Gewicht zusammen. Gut, ich bin in den letzten Jahren ein klitzekleines Stückchen in die Breite gegangen. Aber Frau V. aus der Nachbarschaft hat gut und gerne das dreifache auf den Rippen und bei ihr ist auch noch nie etwas passiert.

Ich selbst benötige wohl auch etwas Zeit bis die Blessuren ein wenig abgeklungen sind. Vor allen Dingen war es unnötig von Gartenstuhl Nummer 3, also der von der Tür aus gesehen rechts stehende, mir auch noch die linke Wade so empfindlich zwischen Rücken- und Armlehne einzuquetschen.

Ich empfand auch das leise Kichern von Freund vom Kellerregal als Unverschämtheit. Aber ich werde die Bande schon in den Griff bekommen, das gilt für Gartenstühle und Kellerregale gleichermaßen.