Entspannung zu verschenken

„Gartenarbeit ist ja so entspannend“ hat meine Oma damals immer gesagt. Als Kind fand ich das immer faszinierend, denn wir hatten damals keinen Garten. Auch Oma hatte übrigens keinen Garten. Sie kannte Leute, die über so etwas verfügten.

Es gab also eine Entspannungsmöglichkeit, die uns völlig verschlossen blieb. Vielleicht auch ein Grund, warum andere Eltern manchmal entspannter waren?

Damals wusste ich noch nicht in welche berufliche Richtung ich einmal einschlagen möchte. Aber eins wusste ich ganz genau: ich wollte mal ein eigenes Haus mit großem Garten haben. Je größer, desto besser musste es ja laufen mit der Entspannung.

Wenn ich heute alleine mit dem Rasenmähen 2 Stunden beschäftigt bin, dann wächst in mir die Gewissheit, dass Oma entweder keine Ahnung hatte oder aber von einem deutlich kleineren Garten gesprochen haben muss.

Wer sich einmal ganz doll entspannen möchte ist jederzeit willkommen. Sämtliche Gerätschaften und Kaltgetränke werden gestellt!


Waulmurf am Schildbirm

Kennen Sie das auch? Jahrelang hat man sie ungenutzt in irgendeiner Schublade. Und dann kommt eines Tages der große Memont, an dem sie dringend begraucht wird. Die ERSATZBRILLE.

Gut beraten ist derjenige, der seine Ersatzrille nach wenigem Suchen auch finden kann. Dies war mir leider nicht gervönnt – sie blieb unauffindbar. Ich kann mir schon denken, wann das Teil wieder auffaucht. Nämlich dann, wenn meine neue Brille fertig sein wird, schaweinlich schon am selben Tag, jedenfalls auf keinen Fall schon früher.

Frau Schreiner kicherte noch schadenfreundlich, als mir mein gutes Stück herunter fiel und schwer auf dem steinernden Terrassendoben aufschlug um dann auf der rechten Seite in drei ungleich große Scherben zu zerspringen. Zum Glück kann ich in der Ferne alles ganz gut erkennen, aber in der Nähe verschwimmt es zu Brei.

Banz gesonders am Schildbirm. Mo ein Sist.

 


Zum Wohl der Allgemeinheit

Ich frage mich heute wirklich, warum wir uns eigentlich um Radioaktivität Sorgen machen sollten. Wir werden die Erde auch ohne radioaktive Unterstützung unbewohnbar machen.

Gestern gab es in unserer Stadt eine alljährliche Frühjahrsputzaktion. Wie in jedem Jahr beteiligten sich dutzende Vereine und hunderte Einzelpersonen an der Aktion. Überall in der Stadt wurde achtlos am Wegesrand entsorgter Müll von Leuten aufgesammelt, denen Sauberkeit noch etwas bedeutet. Wie in jedem Jahr habe ich mich auch daran beteiligt.

Ich erspare den Lesern tief gehende Details über die einzelnen Schandtaten, die sich dabei auftun. Mit Abstand der häufigste aufgesammelte Gegenstand war auch in diesem Jahr wieder der beliebte geleerte Flachmann. Das kurioseste Teil war ein vollkommen intaktes aber stark verschmutzes Oberkiefer-Gebiss.

Da meine Kinder bei den Aufräumarbeiten wieder mit machen mussten, bin ich mir wenigstens ziemlich sicher, dass sie auch in Zukunft nicht zu jenen Leuten gehören werden, die ihren Wohlstandsmüll einfach durch einen geschickten Schulterwurf in der Botanik entsorgen werden. Wenn ich mir den Müllberg ansehe, den 8 Menschen innerhalb von 3 Stunden zusammen getragen haben, damit die Bediensteten der städtischen Müllabfuhr diesen am frühen Abend abholen, dann bin ich allerdings auch genauso sicher, dass meine beiden Kinder alleine nicht viel nützen werden.

Wir müllen unseren eigenen Lebensraum einfach zu – wie bescheuert kann man denn eigentlich sein?


Projektfieber

Es war eine harte Woche, geprägt von den laufenden Projekten, die allesamt nicht von alleine laufen sondern immer wieder angestubst werden müssen. Es geht mit gegen den Strich, dass es scheinbar kaum noch Mitarbeiter mit Biss gibt. Da bleiben Sachen liegen, weil eine Entscheidung ansteht, die aber nicht kommt weil der Entscheider gar nicht darüber in Kenntniss gesetzt wird, dass es etwas zu entscheiden gibt. Also bleibt die ganze Sache erstmal liegen.

Dann gibt es natürlich auch noch jene, die grundsätzlich schleifen lassen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen aber auf super geschäftig machen können, wenn notwendig. Die haben auch garantiert immer einen dicken Stapel Arbeit auf dem Tisch, in den man greifen kann wenn die Tür aufgeht.

Gut dann hätten wir da auch noch jemanden von der Gattung, die vor lauter Ideenreichtum einfach nicht weiter kommen, weil die Probleme haben die Ideen zu bewerten und den weiteren Weg zu definieren. „Denken wir noch mal ein paar Tage darüber nach und wenden uns erstmal anderen Dingen zu“ – scheint deren Devise.

Schließlich kommen noch die Projekte, die ganz überraschend und unaufgefordert erscheinen. Diese sind meistens mit entsprechender Dringlichkeit ausgestattet, dass alles andere erstmal liegen bleiben muss. Das sind die unbeliebtesten Projekte. Am Montag dieser Woche klopfte ein solches bei mir an. An der Kellertür um ganz genau zu sein. Frau Schreiner hatte mit hohem Wasserdruck betriebenes Leitungswasser versehentlich auf die Pumpe für die Gartenbewässerung gelegt. Die Pumpe hat eine Weile durchgehalten, erlitt dann aber des Nachts doch einen Infarkt und ließ dann alles nur noch laufen. Keller überschwemmt, weil das Klopfen an der Kellertür erst am Morgen erhört wurde.

Den Rest der Woche dann Mund zu Mund Beatmung der restlichen angesprochenen Projekte. Dabei habe ich mir wohl einen Virus eingefangen. Projektfieber – also mich wundert es eigentlich gar nicht, dass es mich erwischt hat. Musste ja mal so kommen.


Des Schreiners Nussecken

Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen. Wie also den Kindern vor 2 Tagen angekündigt, habe ich sie heute morgen in das Geheimnis des Schreiners Nussecken eingeweiht. Gestern haben wir als Vorbereitung die benötigten Zutaten gemeinsam eingekauft.

Aussehen tun sie immer gut, die Nussecken. Nur die Bemerkung, es wäre doch logisch, dass des Schreiners Nussecken ein wenig – sagen wir mal – „holzig“ sind; diese Bemerkung hätte man sich gerade auch sparen können.

Mir schmecken sie jedenfalls und man kann sie ja auch tunken.


Schlüssel steckt? Was wäre eigentlich wenn…

…der Ingenieur den Auftrag einfach ablehnen würde, weil er sich verantwortlich fühlt und weiß, dass man die Technik und die Folgen nicht beherrschen kann? Scheiß egal wer ihm mit Sanktionen oder Reichtum droht.

…der Richter einen Freispruch verhängt, nachdem er im stillen Kämmerlein seine innere Stimme befragt hat und weiß, dass es so richtig ist? Scheiß egal was in den Büchern steht und scheiß egal, ob ihm danach irgendjemand seines Amtes entheben will.

…der Vorarbeiter den Straßenverlauf einfach ein paar Zentimeter nach rechts verlegen lässt, weil er vor Ort gesehen hat, dass dann 150 Bäume weniger gefällt werden müssten? Scheiß egal was am grünen Tisch für ein Schwachsinn auf den Plan gezeichnet wurde.

…wir demjenigen, der etwas bestimmtes haben möchte, von dem wir selbst ausreichend haben, es einfach geben würden, so dass er gar nicht erst auf die Idee kommen muss uns zu berauben? Scheiß egal ob man uns anders erzogen hat und alle Welt uns glauben machen will, dass man Dinge horten muss, die man am Ende sowieso nicht mit nehmen kann.

…ich mein Auto in den Zeiten, in denen es nicht von mir genutzt wird, einfach von irgendjemand genutzt werden könnte, der es gerade benötigt? Schlüssel steckt? Ich würde mir einfach ein anderes schnappen, wenn ich irgendwo hin müsste, scheiß egal ob mir Zeit meines Lebens Eigentum und Besitz als höchstes Gut vorgegaukelt worden wäre.

…es keinen Menschen mehr geben müsste, der im Alter alleine in seiner Wohnung vor sich hin vegetiert, mit einigen Zeit seines Lebens angehäuften Gütern, die ihm im Alter plötzlich nichts mehr bedeuten, er sie aber nicht mehr weiter geben kann weil es niemanden mehr auf der Welt gibt, der noch etwas mit ihm zu tun haben möchte? Scheiß egal was mal war, er könnte überall gern gesehen sein, wenn man nur wollte.

…es allen plötzlich so wie mir völlig egal wäre, ob ein anderer hiervon oder davon mehr hat? Wenn es dafür aber künftig allen sofort auffallen würde, dass ein anderer hiervon oder davon zu wenig hat und sie würden es ihm einfach geben? Scheiß egal wer es am Ende abgibt, es ist jemand in der Nähe, der genug davon hat.

…alle Menschen auf einmal nur noch den inneren Gesetzen folgen würden, die wir alle in unseren Herzen tragen? Scheiß egal ob man es Gewissen, Gebote, Erleuchtungen oder sonstwie nennen mag.

 

Ich glaube, das Leben wäre so schön auf dieser Erde, ich kann den Gedanken daran schon jetzt kaum noch ertragen. Und doch versuche ich selbst daran zu arbeiten und dies auch weiter zu geben. Auch die prächtigste Blume hat ja mal als Körnchen angefangen.

 


SMS: Kind ist da :)

Ja gut – äh. Dann sage schreibe smse ich mal „herzlichen“.

Früher gab es ja eine große Sause zu solchen Gelegenheiten. Außerdem musste man das Kind „pinkeln lassen“, so nannte man das, damit der kleine Wonneproppen später keine Prostata bekommt. (Scherz gemacht !)

Klar, die Zeiten ändern sich, aber an einige Sachen will ich mich einfach nicht gewöhnen. Ich meine gut, es scheint ja heutzutage niemand mehr Zeit für andere aufbringen zu können. Wer nicht arbeitssam ist, der ist mit der Informationsaufnahme oder im Zweifel eben mit sich selbst beschäftigt.

Aber Leute, doch nicht wenn es um Kinder geht! Bitte!


Ein Frühlingsgruß

Der Frühling einen leisen Gruß mir gesendet,
er fiel aus der Decke auf den Tisch,
wo er sich jetzt ein paar Mal noch wendet,
und fast so wirkt, als ob gleich er verendet.

Er ist recht klein und nett anzuschauen,
er riecht nicht gut, ein wenig nach Fisch,
ich zeigte ihn allen, es kreischten die Frauen,
und wollten mich am liebsten verhauen.

Was kann ich dafür, es bittet zum Tanze,
die erste gefallene Frühlingswanze?

Habe den Kammerjäger bestellt, den der was taucht,
damit er die Zwischendecke mal wieder verraucht.


Ruths muffeliger Sekretär

Gelegentlich finde ich auf meinem Schreibtisch kleine Notizen, die ich selbst nicht dort abgelegt habe. Zumeist handelt es sich dabei um kleine gelbe Zettel mit selbstklebender Fläche auf der Rückseite, die mehr oder weniger leserlich – je nach zeitlicher Anspannung – kurze wichtige Informationen für mich enthalten und von Frau Schreiner dort wohlweislich unübersehbar platziert wurden. Mit den Jahren kann man auch schon am reinen Schriftbild zwischen wichtig und dringend unterscheiden. Hierbei gilt, je kürzer der Text, desto mehr Eile ist geboten. (Ich merke mir immer: „Je kürzer das Sssst, desto eher der Bumms“)

Auch heute fand ich so einen Zettel, der irgendwann im Laufe des Sonntags dort abgelegt worden sein muss, als ich mit den Kellerregalen haderte oder als ich die Gartenstühle zähmte. Ein Kleiner gelber Zettel also, darauf stand:

„Ruths Sekretär mach Ärger – schau dringend mal vorbei“

Ihr wisst, dass ich die Dringlichkeit des Auftrags auch so hätte erkennen können. Trotzdem hat sie noch einmal separat die Dringlichkeit erwähnt, was im Klartext „aller höchste Eisenbahn“ bedeutet. Und schon war es da, das Problem.

Wer ist Ruth?

Nicht dass wir uns jetzt falsch verstehen. Ich kenne Ruth natürlich. Ich muss sie kennen, sonst hätte Frau Schreiner nicht einfach nur „Ruth“ geschrieben. Klar also, aber wer war sie nochmal, diese Ruth? Wer jemals seine Liebste in einem Anfall von Verzweifelung eine Frage stellte, deren Antwort man eigentlich wie aus der Pistole geschossen aufsagen können müsste, der wird sich nicht fragen warum ich nicht einfach Frau Schreiner gefragt habe. (Frauen noch mal lesen, Männer haben es beim ersten Lesen verstanden)

Tante Ruth! Aber wieso braucht die ein Sekretär, die hat doch einen ganz überschauberen Haushalt – ach nee, Renate heißt sie ja. Sekretär, Sekretär… wen kennst Du überhaupt, der einen Sekretär hat und mit dem wir uns dutzen? Oder ist das der Nachname? Ich sprach langsam und deutlich vor mir selbst aus: „Ruth, Ruuth, Ruuuth, Ruuuuth“, aber es klingelte nichts und es wurde auch schon wieder Zeit für die erste Kaffeepause des Tages. Was habe ich überhaupt mit einem Sekretär zu tun, der Ärger macht? Soll ich dem mit meinem Stechbeitel eins auswischen, oder wie? Leider hat sie nichts näheres dazu auf den Zettel geschmiert.

Die Kundenkartei gehört zum Handwerk

Ich hätte ja auch gleich mal darauf kommen können in die Kundenkartei zu schauen. Eine gut geführte Kundenkarte ist das A und O des ordentlichen Handwerkers. Wie sie sich über einen Anruf zum Geburtstag freuen, das ist immer ein schönes Erlebnis. Und der nächste Auftrag kommt bestimmt auch bald. Ja, ich bin ein wenig stolz auf meine gut geführte Kartei, die ich schon seit mehr als 10 Jahren am Computer führe und in der ich diese vielen kleinen wichtigen Informationen akriebisch erfasse. Der Hund hat Kolliken, die Katze hat ein Aua an der Tatze. Aber so oft ich mir die Daten auch sortierte, weder im Vornamen und schon erst Recht nicht im Nachnahmen tauchte Ruth auf. Nicht der kleinste Hinweis, auch nicht nach dem zehnten Versuch. Mahlzeit – meine Güte, der halbe Tag ist schon um. Soviele Kunden, die einen eigenen Sekretär haben, kenne ich doch gar nicht.

Der erlösende Anruf

Natürlich habe ich ihr beim gemeinsamen Mittagessen die Frage wieder nicht gestellt. Dann hätte sie sich wieder gewundert, dass der Laden überhaupt noch läuft bei meinem Sieb von Gedächtnis. Sie hat natürlich auch gleich gemerkt, dass ich irgendwie angespannt gewesen bin. Ich glaube, dass sie mich gerade danach fragen wollte, als das Telefon plötzlich schellte.

„Ich denke Du wolltest mich zurück rufen?“
„Äh ja, hallo RUDI altes Haus. Ich war heute vormittag im Großmarkt und wollte gleich nach dem Essen durchklingeln.“

„Du musst dringend mal nach meinem Sekretär schauen. Wann hast Du Zeit? Ich will nicht drängeln, aber ich halte es nicht mehr aus. Ich schubse den gleich aus dem Fenster, wenn nichts passiert.“
„Rudi, ich bin in einer halben Stunde bei Dir!“ – Klick

„Hast Du meinen Zettel denn nicht gesehen?“
„Doch doch, aber der Rudi kann auch mal warten…“


Das Kellerregal – Stiller Helfer mit grausamen Geheimnis

Heute musste ich es mal wieder am eigenen Leib erfahren. Das Kellerregal empfindet man als wahren Freund und Helfer. Schließlich hat man so dies und das, was man noch einmal gebrauchen könnte. Diese vermeintlich noch werthaften Dinge verschwinden ja meist erst einmal im Keller. Und wie soll man das vernünftig anstellen? Genau, da wird ein stabiles Kellerregal zum Freund und Helfer. So stellt sich die Situation zumindest dar, wenn man noch kein Kellerregal besitzt.

Ist ein solches aber am Wunschort ersteinmal installiert, dann kann es zum wahren Grauen werden. Wer in der glücklichen Lage ist und mehrere Kellerregale unterbringen kann, ja der kann auf einmal so vieles noch gebrauchen. Hat man erst ein Eigenheim und der Kellerräume daher reichlich zur Verfügung, dann ist es um einen geschehen. Und so kam was kommen musste: wegen Überfüllung geschlossen.

Heute haben für mich die Tage des Kellers begonnen. Nach nunmehr sechs Jahren der tief empfundenen Freundschaft zu den Kellerregalen, die ich einst selbst schreinerte, offenbarten diese Wüstlinge mit heute ihr grausames Geheimnis. Ich werde Tage brauchen um einigermaßen wieder auf einen Stand zu kommen, den ich für mich selbst akzeptieren kann. Für den Moment ist der Keller jedenfalls für andere Augen verschlossen. Das ist mir zu peinlich.

Und wofür die ganze Plackerei? Damit man wieder von Neuem mit der Horterei beginnen kann? Nee – nicht mit mir. Freundliche und hilfreiche Kellerregale zu verschenken!